Ein Ringanker ist ein umlaufender Gurt aus Stahlbeton, der die Außenwände eines Mauerwerksbaus auf Höhe der Decke oder unter dem Dach miteinander verbindet. Er nimmt Zugkräfte auf, hält das Mauerwerk zusammen und steift das Gebäude aus. Nach dem Rohbau verschwindet er hinter Putz und Dämmung. Deshalb bemerken ihn viele Eigentümer erst, wenn ein Umbau ansteht.
Warum Mauerwerk einen Gurt braucht
Gemauerte Wände tragen Druck gut, reagieren auf Zug aber empfindlich. Setzt sich der Boden ungleichmäßig oder drückt der Wind seitlich auf das Haus, können sich Fugen öffnen und Risse bilden. Der Ringanker fasst alle Wände wie ein Fassreifen zusammen, sodass sie gemeinsam wirken. In ihm liegen Bewehrungsstäbe, die der Maurer oder Betonbauer in eine Schalung oder in spezielle U-Schalensteine einlegt und anschließend mit Beton vergießt.
Aufstockung oder neuer Dachstuhl: erst zum Statiker
Wer ein Geschoss aufsetzt oder den Dachstuhl erneuert, verändert die Lasten auf dem Bestand. Der neue Dachstuhl wird meist über Schwellen oder Pfetten auf der obersten Wand verankert, und die Wand muss diese Kräfte sicher aufnehmen. Ältere Häuser haben oft keinen Ringanker oder nur einen, der für die neue Nutzung nicht reicht. Ob er genügt oder ein neuer betoniert werden muss, entscheidet der Statiker und nicht der Zimmerer nach Augenmaß.
Verlangen Sie vor Baubeginn die statische Berechnung und lassen Sie sich zeigen, wo der Ringanker im Plan vorgesehen ist. Sinnvoll ist, die Bewehrung vor dem Betonieren abnehmen oder zumindest fotografieren zu lassen, denn danach lässt sie sich nicht mehr prüfen. Teuer wird es, wenn Risse im Mauerwerk erst nach dem Aufsetzen des Dachs auftauchen. Dann muss oft ein Teil der Konstruktion wieder geöffnet werden.
Wärmebrücke am Betongurt vermeiden
Stahlbeton leitet Wärme deutlich besser als die meisten Mauersteine. Ein ungedämmter Ringanker in der Außenwand bildet deshalb eine Wärmebrücke, an der sich innen Feuchte und Schimmel bilden können. Fragen Sie den Betrieb, wie der Gurt nach außen gedämmt wird, etwa mit einer Dämmplatte in der Schalung. Sind Zuständigkeit oder Ausführung unklar, helfen der Statiker, die Verbraucherzentrale oder ein Fachanwalt für Baurecht weiter.